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 WLZ 30.12.2013

 

(Robert Gassner und Elena Göbel) Foto: Ingo Henseling


Zur Begrüßung gab es einen Gutschein von der Hanse: Elena Göbel ist das 1000. Mitglied des Ehemaligenvereins der Alten Landesschule. Vereinsvorsitzender und ALS-Schulleiter Robert Gassner freute sich über den neuen Rekord.

Verbundenheit zur alten Schule


VON THERESA DEMSKI
Elena Göbel ist 1000. Mitglied des Ehemaligenvereins der Alten Landesschule.
Geliebäugelt hatte der Verein mit den drei Nullen schon länger: Elena Göbel sorgte, nun für den Rekord. Sie wurde am Freitagabend als 1000. Mitglied des Ehemaligenvereins der Alten Landesschule begrüßt.

Korbach. Was den wenigsten Vereinen vergönnt ist, sorgt beim Ehemaligenverein der Alten Landesschule nun für eine neue Rekordmarke: ein ständiger Mitgliederzuwachs. Mit Elena Göbel begrüßte Vereinsvorsitzender und Schulleiter Robert Gassner am Freitagabend beim ‚ traditionellen gemütlichen Abend die 1000. Mitstreiterin. „Wir freuen uns, dass auch immer mehr junge Menschen Interesse an dem Verein haben«, betonte Gassner, „schließlich sind wir in unserer Arbeit auf ihren Einfluss‚ und ihre Ideen angewiesen“.


Und dafür ist Elena Göbel prädestiniert. Im vergangenen Sommer bestand sie ihr Abitur an dem Korbacher Gymnasium und wie 30 andere Absolventen entschied sie anschließend, in den Ehemaligenverein einzutreten. „Ich bin seit der 5.Klasse zur ALS gegangen“, erklärte Elena Göbel am Freitag ihre Entscheidung, „nach so vielen Jahren fühlt man sich verbunden und möchte mit anderen Ehemaligen in Kontakt bleiben.“


Das war auch die ursprüngliche Idee von einigen Marburger Studenten, die sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal im Gasthaus Zur Waage trafen, um sich mit anderen ehemaligen Korbachern auf den neuesten Stand zu bringen. „Diese Tradition pflegen wir bis heute und sind dringend darauf angewiesen, dass junge Leute nachrücken“, befand Bruno Anweiler als eines der ältesten Vereinsmitglieder. Der Zusammenhalt, der vor allem durch die Vereinszeitschrift „Klosterglöckchen“ gepflegt wird, reicht weit über die Grenzen der Stadt und auch des Landes hinaus.


Inzwischen hat sich der Verein aber auch andere Ziele auf die Fahne geschrieben: Exkursionen der Schüler werden finanziell unterstützt und Material wie eine Schwanenhalskamera für den Fachbereich Kunst oder ein Defibrillator für die Fachschaft Sport werden finanziert. Vereinsmitglied Dennis Wieck erklärte seine Motivation: „So kann ich der Schule, die mich entscheidend geprägt hat, auch etwas zurückgeben.“

 


 

 Ansprache des 1. Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Korbacher Gymnasiasten anlässlich der Enthüllung der alten und der neuen August-Bier-Gedenktafel am ehemaligen Gebäude der Alten Landesschule, Klosterstraße 11, am 28.8.2011

 

Sehr geehrte Festversammlung,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Friedrich, sehr geehrter Herr Dr. Völcker-Jansen, sehr geehrter Herr Schmal als Leiter der heute hier Gedenktafel August Bieruntergebrachten Schule, Sehr geehrter Herr Welsch als Vertreter des Landrats Dr. Kubat!

 

Wir sind heute an dieser Stelle zusammengekommen, um eine Tradition weiterzuführen, in deren Mittelpunkt ein berühmter ehemaliger Schüler der Alten Landesschule steht: August Bier. Vor 74 Jahren fand wenige Schritte von hier entfernt, am inzwischen abgerissenen Elternhaus August Biers, die Enthüllung und Weihung der vom Ehemaligenverein gestifteten bronzenen Ehrentafel statt. Der damalige Vorsitzende des Vereins Korbacher Gymnasiasten sowie der damalige Schulleiter hielten die Reden und betonten den Stolz auf den berühmten Zeitgenossen. Seine unstrittigen Verdienste vor allem auf medizinischem Gebiet sind auf der neuen, wieder vom Ehemaligenverein gestifteten Gedenktafel aufgelistet. Ich werde sie im Anschluss vorlesen. Schon vor drei Jahren hat Dr. Hans-Otto Dumke im Rahmen unserer ALS-Akademie einen Vortrag über August Bier als Psychologen gehalten. Auf diese unsre Vortragsreihe, die inzwischen 37mal stattfand, sind wir besonders stolz. Hier referieren ehemalige ALS-Schüler vom Fernsehmoderator bis zum emeritierten Professor über ihre Forschungsbereiche bzw. über interessante Berufsfelder. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie unser Gedenktafel August BierVerein genauso wie unsere Schule heute ein völlig anderes Erscheinungsbild zeigen als zur Zeit der Nationalsozialisten vor 74 Jahren. Heute könnte ein hochbegabtes Kind, das schon nach zwei Jahren Grundschule zum Gymnasium käme, höchstwahrscheinlich besser gefördert werden als August Bier damals. Er schreibt in seinem Lebenslauf anlässlich des Abiturs „In Quarta jedoch wurde ich völlig unfleißig und ließ dementsprechend in meinen Leistungen sehr nach.“ Die Quarta, heute Klasse 7, musste er dann wiederholen, genauso wie anschließend die Untertertia, heute Klasse 8. Im heutigen Schulsystem wäre dann der Wechsel zur Realschule zwingende Konsequenz. Damals aber ging es anschließend aufwärts, er schreibt: „Auch war es ein Glück für mich, dass ich damals gerade einen äußerst strengen Lehrer zum Ordinarius bekam, der mit aller Energie und mit harten Strafen jedem Unfleiße in den Weg trat.“ Heute gibt es andere Methoden und spezielle Hochbegabten-Förderungen.

 

Im Ehemaligenverein des Jahres 2011 sind Homepage und Newsletter zur Normalität geworden, die Unterstützung der schulischen Arbeit zu einem weiteren Schwerpunkt. Anlässlich unseres in diesem Jahr stattfindenden 90jährigen Vereinsjubiläums haben wir der neuen ALS-Bibliothek 90 Bücher gestiftet, die ein Vielfaches dessen gekostet haben wie die heute zu enthüllende neue Informationstafel über unser berühmtes Ehrenmitglied. Möglich wird dies dadurch, dass wir zurzeit fast 1000 Mitglieder haben, die wir dreimal jährlich mit unserer vielgelobten Vereinszeitschrift erreichen.

 Gedenktafel August Bier

Was aber war heute vor 74 Jahren? Mein entfernter Vorgänger als Vereinsvorsitzender, Pfr. i.R. R. Emde, fand in seiner Laudatio auch solche Lobesworte, die heute zumindest deutliches Stirnrunzeln herausfordern. Ich zitiere aus unserer Vereinszeitschrift, dem Klosterglöckchen, 4. Ausgabe 1937:

„Und endlich, dieser große Mann ist ein deutscher Mensch, deutsch an Leib und Seele. Der Führer selbst hat das bezeugt, als er ihn zu seinem 75. Geburtstag mit der höchsten deutschen Auszeichnung, mit dem Adlerschild des deutschen Reiches ehrte.“

Und am Ende des Berichts hieß es dann: „Ein weihevoller Augenblick, der ausklang mit dem von unserem Leiter ausgebrachten dreifachen Sieg-Heil auf unseren Führer…“

 

Seine wirklich höchste Auszeichnung erhielt August Bier im Übrigen zusammen mit Ferdinand Sauerbruch 1937 im Rahmen des Reichsparteitags der NSDAP: den mit 100.000 Reichsmark dotierten Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft, der von den Nationalsozialisten als Zwangs-Ersatz für den Nobelpreis geschaffen worden war.Gedenktafel August Bier

Die in dem Zitat nur vage angedeutete fragwürdige Nähe August Biers zu nationalsozialistischem Gedankengut, die sich an anderer Stelle vielfach nachweisen lässt, ist vielen Korbachern vermutlich nicht bekannt, auch ich wusste bis vor ein paar Tagen noch nichts darüber. Sie sollte mutig auch öffentlich und ergebnisoffen durchleuchtet werden und könnte wieder einmal zeigen, dass auch Genies als Kinder ihrer Zeit eine gebrochene Biographie haben können. So ehrten nach den Nationalsozialisten auch die sowjetische Besatzungsmacht und die DDR unseren berühmten ehemaligen Schüler.

 

Seine bahnbrechenden Leistungen, seine umfassenden Verdienste sind nicht in Zweifel zu ziehen, und der Stolz darüber bleibt nach wie vor ungebrochen. An der Deutschen Sporthochschule Köln , der Nachfolgeinstitution der von ihm gegründeten „Deutschen Hochschule für Leibesübungen“ in Berlin, wird noch heute jährlich an die beste Absolventin und den besten Absolventen des Diplom-Studienganges die August-Bier-Plakette verliehen.

 

Gedenktafel August BierWir alle sind froh und stolz, wenn sich unsere Schüler immer wieder zu verdienten und gelegentlich sogar berühmten Persönlichkeiten entwickeln, vielleicht auch einmal zu einer Trägerin oder einem Träger der August-Bier-Plakette.

So freue ich mich, hiermit die generalüberholte alte Bronzetafel und als Ergänzung dazu die neue Glastafel enthüllen zu dürfen und für die Öffentlichkeit frei zu geben.

 

 

Sie trägt folgenden Text:  

Prof. Dr. August Bier

1861-1949

 

August Bier wurde am 24. November 1861 in Helsen geboren. Neben dem alten Gymnasium, in der Klosterstraße 13, verbrachte er Kindheit und Jugend bis zum Abitur und dem Beginn seines Medizinstudiums in Berlin.

Als Chirurg wagte er als erster die Rückenmarks–Anästhesie. Er entwickelte die „Bier´sche Stauung“, gilt als Erfinder des deutschen Stahlhelms und war Begründer der Hochschule für Leibesübungen in Berlin sowie Förderer einer ökologischen Waldwirtschaft.

Der Verein ehemaliger Korbacher Gymnasiasten ließ 1937 zu Ehren des berühmten Chirurgen, Naturforschers und Philosophen an seinem Elternhaus eine Gedenktafel anbringen. Sie fand 1976 nach Abriss dieses Hauses einen neuen Platz hier an dem alten Landesgymnasium.

Die Stadt Korbach benannte nach ihm eine Straße und verlieh ihm 1937 die Ehrenbürgerschaft.