Erfahrungsbericht Helen Reinhardt PDF Drucken E-Mail

Ich muss leider schon zu Beginn zugeben, dass ich bereits ziemlich früh wusste, was ich einmal studieren wollte: Archäologie! Ich war nie sonderlich gut in dem Fach Geschichte, aber mich interessierte das Leben der Menschen aus der Steinzeit und der gesamten Antike. Um vorab aber etwas Klarheit ins Dunkel zu bringen, sage ich erst einmal was die Archäologie überhaupt ist.

Die Archäologie ist die Lehre über die Bauweise, Handwerkskunst und gesamte Lebensweise von Kulturen der Menschheitsgeschichte, deren Überlieferung nicht durch Texte, sondern durch Artefakte (Befunde/Funde) gesichert werden kann.

Die Archäologie selber wird aber noch in mehrere Bereiche gegliedert: Da gibt es die Ägyptologie (Ägypten, Mumien, usw.), die vorderasiatische Archäologie (Mesopotamien, Turm von Babel, usw.), die Archäologie der Vor- und Frühgeschichte (Steinzeit, Bronzezeit, Kelten, Wikinger, usw.), die Klassische Archäologie (Griechen, Römer, usw.), sowie viele weitere Bereiche.

Ich persönlich habe also gleich nach meinem Abitur 2007 angefangen in Marburg zu studieren. Meine Abi war nicht sonderlich gut, was aber nicht schlimm war, da mein Traumstudium keinen Numerus Clausus voraussetzt. Ich habe mich für Marburg entschieden, nicht weil ich nahe bei meinen Eltern bleiben wollte, sondern weil zu diesem Zeitpunkt Marburg die einzige Uni war, bei der ich die Möglichkeit geboten bekam in die Klassische und die Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie reinzuschnuppern, ohne mich bereits vor Beginn des Studiums für eines der Gebiete festzulegen. Bei dem BA. Studiengang Archäologische Wissenschaften studiert man insgesamt 6 Semester, noch 4 drauf wenn man seinen Master machen möchte. Die ersten zwei Semester studiert man Vor- und Frühgeschichte, sowie Klassische Archäologie und entscheidet sich für sein Hauptfach zum erst zum Ende des 2. Semesters. Ein Nachteil dabei ist, dass man als Nebenfach allerdings nicht das jeweils andere studieren darf, wohlmöglich ist dies aber von Uni zu Uni unterschiedlich.

So, nun mal zu der Frage, warum ich das Alles hier überhaupt von mir gebe: Ich liebe mein Fach und bereue es nicht dieses Studium zu absolvieren. Wenn man sich nicht scheut vor Flexibilität, Abenteuer, Wissenschaft, Handarbeit, Büchern und Lernen ist dieser Fachbereich einfach genial. Schon während des Studiums gibt es genug Möglichkeiten seinen zukünftigen Arbeitsplatz zu erkunden: Wie wäre es mit einem Besuch im Museum? Einer Übung, wo ihr lernt technisch Keramik und Mauerwerk zu zeichnen? Einer Ausgrabung im Ausland? Dem Kennenlernen von moderner Technik, wie z.B. Geoprospektionen mit Geomagnetik, Geoelektrik oder Georadar? Die Arbeitsvielfalt ist einfach enorm und man sieht eine Menge von der Welt. Ungelogen, seit ich studiere habe ich unter anderem in der Türkei, in Portugal und im Kosovo gearbeitet.


Also wenn ihr euch für Geschichte interessiert und das Handwerk dahinter, dann ist Archäologie absolut das Richtige für euch. Wo ihr studiert ist im Grunde nicht wichtig. Von Bedeutung ist nur Engagement und Wille. Egal, für was ihr euch letztendlich entscheiden solltet: entscheidet euch für das was ihr auch wirklich von Herzen wollt, egal was dieser oder jener zu euch auch sagen mag, es ist einfach nichts wichtiger als es wirklich zu wollen. Viel Glück bei euren Entscheidungen.