18. ALS Akademie PDF Drucken E-Mail

Dr. Horst Strothenk referierte am 20.09.2005 über:

 

Kautschukprodukte des täglichen Lebens - wie kommen sie zustande?
Der Übergang vom plastischen in den elastischen Zustand

 

 

Dr. Horst StrothenkÜber dieses Thema berichtete Dr. Horst Strothenk vor Schülern, Lehrern und Ehemaligen im Musiksaal der Alten Landesschule.
Geboren am 21.02.1936 in Korbach, schlug er wie sein Vater, nachdem er sein Abitur 1956 erlangte, den Weg zum Beruf des Chemikers ein.
Nachdem er 1959 sein Vordiplom und 1961 sein Diplom an der Technischen Hochschule Hannover absolvierte, promovierte er an gleichem Ort in der Physikalischen Chemie. Sein Abschluss lautete nun: Dr. rer. nat. Das Thema seiner Arbeit war: ,,Messung der differentiellen Sorptionswärmen und der elektrischen Leitfähigkeit im System Titan/Wasserstoff in Abhängigkeit von der Wasserstoffkonzentration“.
Sein beruflicher Werdegang begann und endete in der Continental/AG Hannover. Hier arbeitete er sich von einem Entwicklungschemiker hoch zum Leiter des Qualitätsmanagements.
Bis heute ist er freier Mitarbeiter bei Conti Tech Fluid und hielt seit 1993 bis 2004 als Lehrbeauftragter an der Universität in Hannover Vorlesungen über die Kautschuktechnologie.
Außerdem leitete er Seminare mit unterschiedlichen Inhalten an mehreren Orten der Bundesrepublik und außerhalb, zum Beispiel in Buenos Aires, Helsinki, etc.

Sein Vortrag begann mit der Entwicklung und Herstellung eines Gummiwerkstoffes. Dazu nötig sind im Allgemeinen vier Arbeitsschritte:
Mischungsentwicklung (Compounding), Mischungsherstellung, Verarbeitung und Ausformung zum Produkt und die Bildung des Werkstoffes durch Vernetzung der Polymere.
Das Endprodukt, das aus diesen vier Schritten entsteht, muss die Kundenwünsche befriedigen und vom Preis her noch wettbewerbsfähig sein. Dies, so Dr. Strothenk, sei bei der Entwicklung mit einer der schwersten Schritte. Außerdem spielt die Gesundheit der Arbeiter eine große Rolle. Diese sollten mit keinerlei gesundheitsgefährdenden Substanzen in Berührung kommen. Der Entwicklungschemiker muss also in ständiger Aufmerksamkeit arbeiten.
An einem praxisbezogenen Beispiel (Gummisohle für Schuhe) erklärte Dr. Strothenk die Gummiherstellung. Ganz allgemein gilt: ,,Kautschuk vulkanisiert zu Gummi.“ Oder im Fachjargon ,,Polymer vernetzt zu Elastomer.“
Am Anfang wird also ein Polymer (meist Natur- oder Synthesekautschuk) ausgesucht, welches auf der einen Seite bestimmte Eigenschaften erfüllt, z.B. Alterungsbeständigkeit oder Kälteflexibilität, und auf der anderen Seite den Hauptbestandteil des späteren Endproduktes ausmacht.
Hinzu kommen noch meist 9 andere Chemikalien-Gruppen, die einmal die Eigenschaften des späteren Werkstoffes verbessern sollen, sowie die Reaktionen in den Mischern erst möglich machen. Hierbei handelt es sich um Alterungsschutzmittel, Füllstoffe, Weichmacher (Plastikatoren), Verarbeitungshilfsmittel, Farbstoffe (Treibmittel, etc.), Aktivatoren, Vernetzungsmittel, Vulkanisationsbeschleuniger und –verzögerer.
Diese Bestandteile des späteren Werkstoffes müssen zusammengeführt werden. Dies geschieht in den Walzwerken, bzw. den Knetern.
In diesen Knetern drehen sich zwei in entgegengesetzte Richtungen laufende und ineinander greifende Schaufeln. Die einzelnen Elemente werden hier vermischt und zu einem ,,Fell“ (Gummibahn) gepresst. Dieses Halbfabrikat kann je nach Wunsch weiterverarbeitet werden.
Am Ende seines Vortrags ging Dr. Strothenk noch auf die Rolle des Schwefels bei der Vulkanisation ein. Der Schwefel bildet zwischen den langen Molekülketten des Kautschuks Querverbindungen, die das Endprodukt weniger dehnbar, strammer und weniger verformbar machen.

Trotz des hohen technischen Verständnisses, welches Dr. Strothenks Vortrag verlangte, machte er den Zuhörern durch praxisbezogene Beispiele und witzige Einschübe klar, wie schwer und aufwändig z.B. die Herstellung einer Gummisohle ist.
Auch heute noch, nach so vielen Jahren schwerer Arbeit, bezeichnet sich Strothenk als ,,putzmunter“ und ,,fidel“, trotz seiner Diabetes.

Benjamin Knipp, 13f