7. ALS Akademie PDF Drucken E-Mail

Dipl.-Ing. Heinrich Schnell und Prof. Dr.-Ing. Gerhard Zenke referierten am 20.02.2003 über:

 

Ingenieurskunst: Faszination und Möglichkeiten der Gestaltung

Anforderungen an den Ingenieur von heute

 

 

Bei dieser 7. Veranstaltung im Rahmen der Reihe ALS-AKADEMIE waren Professor G. Zenke, Dozent an der Fachhochschule Bielefeld, und Diplomingenieur Schnell, stellvertretender Werksleiter der Continental in Korbach, die Vortragenden. Beide hatten in den 60er Jahren das Abitur an der Alten Landesschule abgelegt. Nach dem Maschinenbaustudium an der Technischen Universität Darmstadt gab es später im Beruf weitere Kontakte. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vereins der Ehemaligen und stellvertretenden Schulleiter Gassner begann Herr Professor Zenke als erster mit seinen folienunterstützten Ausführungen.

 

Prof.Dr. Gerhard ZenkeAn Beispielen aus dem Flugzeugbau (Airbus A 300, A 320) erläuterte er die einzelnen Stadien bei der Entwicklung eines Produkts bis zur Serienreife, vor allem im Hinblick auf die speziellen Aufgaben des Ingenieurs. Am Anfang steht der geniale Einfall, es folgt die Entwicklung der Idee bis zur Realisation, der Vertrieb. In allen Phasen müssen immer wieder Tests (hier zum Beispiel Zerreißproben bei verschiedenen Druckverhältnissen für die Bauteile, Vogelschlagversuche) beziehungsweise Bewertungen mit dem Ziel ständiger Optimierung vorgenommen werden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass das Produkt in vertretbarer Zeit fertiggestellt sein muss. Das ganze Projekt steht und fällt mit einer minutiösen Ablaufplanung, dabei geht es u.a. um Arbeitsteilung, Aufgabengliederung. Besondere Probleme in dem vorgestellten Beispiel aus dem Flugzeugbau ergaben sich durch die notwendigen Transporte zwischen den beiden Hauptproduktionsstätten Hamburg und Toulouse. Für größere Bauteile war hierbei die Bereitstellung eines Transportflugzeugs mit riesigem Frachtraum notwendig, des "Super-Guppy". Anhand eines entsprechenden Diagramms wurde dann der typische Lebenszyklus eines Produktes mit den Phasen Einführung, Wachstum, Reife, Rückgang den Zuhörern vor Augen geführt. Etwa bei Beginn der Wachstumsphase denken die Entwickler bereits an das nächste Produkt. Die im Flugzeug-Beispiel eingesetzten Planungstechniken lassen sich auch beim Bau eines Hauses oder einer Kamera nutzbringend verwenden, erläuterte Professor Zenke.

 

Heinrich SchnellDas Projekt, das Herr Schnell vorstellte, stammte aus der Autoreifen-Branche. Dabei ging es um den Transfer einer ganzen Extrusionsanlage, die beim Bau von Spikes-Reifen zur Anwendung kommt, vom schwedischen Gislaved nach Korbach. Er schilderte die Planung (unter Berücksichtigung des Kostenfaktors) und Durchführung der Maßnahme. Hierbei war die Abfolge im einzelnen: Errichtung eines neuen Gebäudes in Korbach, Abbau der Maschinen in Schweden, Umbau für die speziellen Belange, Anpassung bis Anlaufen der Anlage, die dann praktisch termingerecht erfolgte. Schnell ging auch allgemein ein auf das Berufsbild Ingenieur. "Er erfindet das Rad nicht neu, aber ... Wie überall stehen sich 5 % Inspiration und 95 % Transpiration gegenüber". Die Berufsaussichten seien in Deutschland mit seiner guten Infrastruktur für den angehenden Ingenieur noch recht gut, z.B. in den Bereichen Chemie, Energie, Umweltschutz. Er nahm auch das Ansehen der Naturwissenschaften im Vergleich mit den Geisteswissenschaften unter die Lupe und formulierte: "Obwohl man des Genitivs mächtig sein mag: die Interpretation eines Gedichtes schafft noch keine Arbeitsplätze."

 

Die anschließende von Schulleiter Keudel geleitete Diskussion kreiste u.a. um die Frage, welches die Erwartungen der Industrie an die künftigen Ingenieure seien und welchen Stellenwert die Ausbildung für die spätere Tätigkeit habe. Zu den Erwartungen der Unternehmen noch einmal Zenke: "Es geht um Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit, wirtschaftsbezogene Fremdsprachenkenntnisse, Bereitschaft für Neues." Die Ausbildung - darin waren sich Referenten und Diskussionsteilnehmer einig - dürfe nicht zu eng sein. Schnell rief den angehenden Schulabsolventen zu, es gebe drei wichtige Entscheidungen im Leben: Welcher Beruf, welcher Lebenspartner, wo arbeite und lebe ich? Am schwersten zu wechseln sei es beim ersten Punkt. Die Referenten betonten zum Schluss, dass ihnen der Abend großen Spaß bereitet habe. Dazu Keudel: "Man merkte es!" Schade, dass dies nur die etwa 30 Zuhörer nachvollziehen konnten! Zum Schluss dankte Keudel den Vortragenden überreichte zur Erinnerung Kugelschreiber mit der Gravur des Vereins der Ehemaligen der Alten Landeschule.