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Sven Bökenschmidt referierte am 07.02.2002 über:

 

Die Datierung der Korbacher Spalte - Entstehung und Geschichte einer Fossillagerstätte

 

Sven Bökenschmidt entdeckt Schlüssel zur Datierung der Korbacher Spalte

 

Sven BökenschmidtAm 7. Februar konnte die stattliche Zahl von rund 65 Zuhörern im Musiksaal der Alten Landesschule zum dritten Mal einen Vortrag im Rahmen der ALS-Akademie erleben. Die ALS-Akademie ist eine gemeinsam von unserem Verein und der Alten Landesschule getragene Vortragsreihe, in der in unregelmäßiger Folge ehemalige ALS-Schüler aus ihren Fachgebieten referieren. Dieses Mal referierte der Diplom Geograf Sven Bökenschmidt (Abitur 1989) zum Thema “Die Korbacher Spalte. Entstehung und Geschichte einer Fos­sillagerstätte” aus den Forschungsergebnissen, die er im Rahmen seiner noch nicht vollendeten Doktorar­beit gewinnen konnte. Im Folgenden werden wesentliche Aussagen des Vortrags zusammengefasst.

 

Die bei Korbach aufgeschlossene Korbacher Spalte ist eine der weltweit seltenen Fossillagerstätten, in denen Zeugnisse permzeitlicher Wirbeltiere (vor 250 Millionen Jahren) der Nachwelt überliefert sind. Die Fauna ist aus verschiedenen Gattungen und Arten von Reptilien zusammengesetzt. Die wichtigsten Fossilien gehören der Ordnung der im mittleren Perm erstmals auftretenden Therapsiden (säugetierähnliche Reptilien) an, die als Bindeglied zwischen den Reptilien und den Säugetieren gelten. Weiterhin wurden Fossilien von Archäosauriern (Vorfahren der Dinosaurier) gefunden und solche von Pareiasauriern (ursprüngliche Reptilien). Einige dieser Tiere ähnelten in ihrem Bau bereits sehr stark den Säugetieren. Funde von permischen Therapsiden waren weltweit bis zur Entdeckung der Korbacher Spalte nur aus Südafrika und Russland bekannt. Der einzige Fund in Mitteleuropa waren Fußabdrücke im “Cornberger Sandstein” bei Bebra, in Schottland und in Südtirol

 

Die interessantesten Fossilien aus der Korbacher Spalte gehören zur Therapsidengattung Procynosuchus. Dem Auffinden dieser Gattung kommt eine große erdgeschichtliche Bedeutung zu, da sie bisher lediglich aus Südafrika bekannt war. Ihr Vorkommen in der Korbacher Spalte unterstreicht die Existenz des Superkontinents Pangäa im Perm, der alle heutigen Kontinente vereinigte. Bei der Gattung Procynosuchus handelte es sich um ein ca. 60 cm langes Reptil von hundeähnlicher Gestalt

 

Die Korbacher Spalte wurde bereits zu Beginn der 60er Jahre durch Herrn Dr. J. Kulick entdeckt, der da­mals beim Hessischen Landesamt für Bodenforschung in Wiesbaden als kartierender Geologe tätig war. Die große Bedeutung seiner Entdeckung war ihm damals noch nicht bewusst. Er hielt die Knochenfunde an­fangs für die Relikte eiszeitlicher Säugetiere (1,5 Mio. Jahre alt). Erst 1988 gelang es den an der Universität Mainz tätigen Wissenschaftlern Prof. Dr. H.D.Sues und J.A.Boy, einen fossilen Kiefer mit einigen dazuge­hörigen Zähnen der oberpermischen Therapsidengattung Procynosuchus eindeutig zuzuordnen

 

Seitdem wurde die in der Sedimentfüllung der Korbacher Spalte enthaltene Wirbeltierfauna von Dr. E. Frey und W. Munk vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe in zahlreichen Grabungen untersucht. Ihnen gelang es auch, das Alter der Fossilfunde auf wenige hunderttausend Jahre genau zu datieren. Im Gegensatz dazu ist die zeitliche Einstufung der afrikanischen Fundstätten mit einer Genauigkeit von einigen Millionen Jahren sehr ungenau. Das Gelände der Korbacher Spalte wurde im Sommer 1997 von der Stadt Korbach erworben und zum Schutz mit einem Dach versehen. Anlässlich des Hessentags 1997 in Korbach wurde im neuen, erweiterten Museum der Stadt Korbach eine Sonderausstellung zur Korbacher Spalte mit dem Titel “Das Fenster zur Urzeit” aufgebaut. Über die Entstehung der Korbacher Spalte, über ihre Sedimentfüllung und über die Geschichte der Fossillagerstätte ist bis jetzt jedoch noch sehr wenig bekannt.

 

Unter der Betreuung seines Doktorvaters, Prof. Dr. Heinrich Zankl, erkundete Sven Bökenschmidt den Verlauf der Korbacher Spalte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geologische Gemeinschaftsaufgaben in (Hannover) mit Hilfe geophysikalischer Methoden. Hierbei wurden Gesteinseigenschaften wie Magnetismus und elektrische Leitfähigkeit kartiert und auch Bodenradar eingesetzt. Die verschiedenen Methoden brachten übereinstimmende Ergebnisse, die den Verlauf der Korbacher Spalte nach Westen ermittelten.

Südlich von Korbach konnte bei Dorfitter ein gut erschlossenes Straßenprofil mit einer Abfolge von Zechsteinsedimenten bearbeitet werden. Dort entdeckten Sven Bökenschmidt und Dr. Heiner Heggemann vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie ein Spaltensystem, das mit gelben karbonatischen Schluffsteinen gefüllt ist, die ebenso wie die Korbacher Spalte aus dem Oberperm stammt. Aus den Sedimenten der Spaltenfüllung konnten Knochenfragmente geborgen werden, die mit den Knochenfunden aus der etwa 2,5 km entfernt liegenden Korbacher Spalte vergleichbar sind.

 

Während jedoch das ursprünglich vor 250 Mio. Jahren über der Korbacher Spalte liegende Gestein, das für eine genauere Datierung notwendig ist, schon im Laufe der Erdgeschichte abgetragen worden war, ist dieses über den bei Dorfitter entdeckten Spalten noch vorhanden. Es liefert nun den Schlüssel zur Datierung der Korbacher Spalte und zur Erforschung des damaligen Lebensraumes der Wirbeltiere bei Korbach.

 

Zur langfristigen Sicherung der Grabungsstelle in Dorfitter, die für Führungen und wissenschaftliche Untersuchungen offen gehalten werden soll, ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vöhl die Errichtung einer Überdachung geplant. Herr Bökenschmidt hofft auf Unterstützung bei Planung und Baumaterialbeschaffung durch interessierte Bürger.

Sollten sich Interessenten aus unserem Verein finden, werden sie gebeten, sich an den Vereinsvorsitzenden zu wenden.