46. ALS-Akademie PDF Drucken E-Mail

Dr. Thomas Sandkühler referierte am 02.10.2014 über:

 

Der erste Weltkrieg

 Dr. Thomas Sandkühler

Wiederholt sich Geschichte? Und kann man aus ihr lernen? Viele Details der aktuellen Ukraine-Krise erinnern an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. „Wieder haben wir einen regionalen Konflikt in Europa, der zu eskalieren droht. Wieder spielen Partisanenkrieg, Propaganda und Kriegslügen eine große Rolle. Gesucht wird eine ordnende Hand, die den Konflikt entschärft. Die Muster scheinen sich zu wiederholen“, sieht Prof. Dr. Thomas Sandkühler Parallelen. Der Historiker der Berliner Humboldt-Universität hielt vor den angehenden Abiturienten der Alten Landesschule einen Vortrag über den Ersten Weltkrieg.

Sandkühler, bis 2009 selbst an der ALS tätig, folgte der Einladung von Geschichtslehrer Johannes Grötecke und referierte im Rahmen der Reihe „ALS-Akademie“. Dabei spannte er einen weiten Bogen von der Vorgeschichte und den Ursachen des Ersten Weltkrieges über dessen Verlauf und Bewertung bis hin zur Aktualität des Geschehens. Die Wurzeln dieser „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ lägen im Imperialismus, der Aufrüstung und der Bündniskonstellation des 19. Jahrhunderts. Die Einkreisungsängste beteiligter Akteure und das Gefühl, im imperialen Ringen zu kurz zu kommen, hätten zu einer verhängnisvollen Dynamik geführt. Die Kriegspropaganda, neuartige Waffensysteme, industrialisiertes Massenmorden und eine exzessive Gewaltbereitschaft machten den militärischen Konflikt zum ersten modernen Krieg der Geschichte.

In Frankreich und Großbritannien sei dieses Ereignis als „großer Krieg“ in der öffentlichen Erinnerung bis heute stark verankert. In Deutschland dagegen dominiere das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. Hier stelle sich die Frage, ob das Land aufgrund seiner Rolle in beiden Weltkriegen nicht eine besondere Verantwortung in der heutigen Politik zu tragen habe. Allerdings gibt sich der Historiker skeptisch, ob Deutschland die Rolle als ordnende Macht in Europa und der Welt anstreben solle und könne.

Die Vortragsform im Stile einer universitären Vorlesung stieß bei den ALS-Schülern auf ein geteiltes Echo. Zwar bereite dies auf das Studium vor, allerdings erfordere es auch Konzentration und Vorwissen. Eine gute Wiederholung fürs anstehende Abitur und eine ganz besondere Geschichtsstunde war die Veranstaltung aber allemal.

Johannes Grötecke